Wissenschaft

Super-Gau Fukushima: die unkontrollierbare Katastrophe hält an

Nach dem Super-Gau am Atomkraftwerk Fukushima hält die unmittelbare Gefahr für die Region weiterhin an, der so genannte Masterplan der japanischen Regierung ist zwar höchst ambitioniert, droht aber an der Realität zu scheitern. So werden vermehrt alarmierende Cäsium-Werte im Urin von Kindern festgestellt, weiterhin nehmen die so genannten Hot-Spots (Orte mit erhöhter Radioaktivität) in der Präfektur Fukushima deutlich zu.

Dabei wollte die japanische Regierung den Wiederaufbau der erdbebenbetroffenen Region durch den Bau von umweltfreundlichen Siedlungen in höheren Lagen forcieren, diese sollen eigentlich mit regenerativen Energiekonzepten betrieben werden. Dies sollte die Region besser aussehen lassen, als vor dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März.  Doch neben der schwelenden und vor sich hinstrahlenden Atomruine hat die Regierung das massive Problem der Entsorgung des Atommülls, welcher sich in Form vom Kühlwasser auf dem AKW-Gelände ansammelt. Daneben gibt es Dutzende Kubikmeter verstrahlter Erde, welche von Schulen abgetragen wurde. Die riesige Menge an radioaktivem Abfall wird zurzeit einfach oberirdisch gelagert,  es existieren nicht einmal Pläne, wo dieser Müll schließlich landen soll. Alleine aus der Präfektur Fukushima werden (laut Japantimes) 2,8 Millionen Tonnen Material als radioaktiver Abfall gelagert. Doch es gibt keine offizielle Anleitung, wie man mit diesem Abfall hantieren soll. So wurde an manchen Schulen die abgetragene Erdmasse einfach auf dem Schulgelände belassen, abgedeckt mit einer einfachen Plastikplane. Aber auch banale Sachen, wie die aufkommende sommerliche Hitze, entwickeln sich zum Problem, da die Schulen angehalten werden Fenster geschlossen zu halten.

Am Donnerstag wurden an zehn Kindern in der Stadt Fukushima Urinproben durchgeführt, dabei fand man in geringen Mengen Cäsium. Gefährlich ist dies, weil Cäsium eine Halbwertszeit von 30 Jahren aufweist, sich dazu in Knochen ablagert und eindeutig als krebserregend gilt. Die Tests wurden durchgeführt, weil besorgte Mütter eine Anfrage an ACRO, einem französischen und unabhängigen Spezialisten-Team, gerichtet haben. Brisant wird diese Meldung, wenn man bedenkt, dass die Ortschaft ca. 50 Kilometer vom havarierten AKW entfernt liegt, also weit außerhalb der 20 Kilometer Sperrzone.

Darüber hinaus wurden 113 Haushalte in den Distrikten  Ishida, Kamioguni und Shimooguni zu Hotspots erklärt. Hierbei gilt als Grenze der Wert von 20 Millisievert pro Jahr. Eine Evakuierung wird dabei den Bewohnern selbst überlassen. Zum Teil befinden sich diese Hotspots 80 Kilometer vom AKW entfernt.

Derweil startet Tepco ein neues Kühlsystem am AKW Fukushima, zudem wurde ein neuer Riesentank herangekarrt, welcher 10.000 Tonnen Wasser aufnehmen kann. Im Reaktorblock 3, wo auch Uran-Plutonium Brennstäbe verwendet wurden, hat ein Roboter eine Radioaktivität von 170 Millisievert pro Stunde gemessen. Am Donnerstag versagte zudem eine Dekontaminationsmaschine, welche radioaktives Wasser säubern soll. Gleichzeitig betraten am gestrigen Tag erstmals seit der Explosion vom 15. März Arbeiter den Reaktor 4, um hier die Aufräumarbeiten zu starten. Hier liegt die Verstrahlung bei unter einem Millisievert pro Stunde, sagt Tepco. Eines steht jetzt schon fest, die Aufräumarbeiten am AKW Fukushima werden wesentlich länger andauern, als von Tepco eigentlich versprochen wurde.

 


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