Eine neue Qualität haben die so genannten Cyberattacken erhalten, derart, dass das Verteidigungsministerium der USA (also das Pentagon) Cyberattacken zukünftig als Akt kriegerischer Handlung einstufen will. Konkret kann dies heißen, dass eine Cyberattacke einer Kriegserklärung gleich kommt. Als Konsequenz kann der US-Präsident Sanktionen verhängen, einen Cyber-Gegenschlag veranlassen oder gar einen militärischen Schlag anordnen. Diese Maßnahmen gelten nicht nur für „gewöhnliche“ Hacker (wie für die Gruppe Anonymous), sondern auch für Staaten, die ganze Abteilungen für Cyberattacken abstellen (z.B. Nordkorea, China etc.). Das entsprechende Gesetz befände sich derzeit in Vorbereitung, so der Sprecher des Pentagons Oberst Dave Lapan.
Im letzten Monat wurde der Rüstungshersteller Lockheed Martin Opfer von Cyberattacken. Aber auch Öl- und Erdgasproduzenten wurden im Februar 2011 über das Internet angegriffen. Damals berichtet der Antivirus-Entwickler McAfee von Cyberattacken auf fünf Großfirmen in den USA. Das Virus Stuxnet legte gar das Atomkraftwerk Isfahan im Iran derart zu, dass die Brennstäbe entfernt werden mussten, die Anlage konnte bis heute nicht hochgefahren werden.
Die neue Gesetzesvorlage ist Teil einer neuen Abwehrstrategie der USA. Diese Cyberabwehrstrategie soll schon in zwei bis drei Wochen errichtet werden, so Lapan. Mit der neuen Strategie machen die USA deutlich, dass alle notwendigen Gegenmaßnahmen ergriffen werden, um Cyberattacken zu unterbinden oder zu ahnden. Überspitzt formulierte das US-Militär die Absicht, wer das Stromnetz der USA angreife, muss mit einem Raketenschlag rechnen.
2008 gelang gar ein Virus in die abgeschotteten Computersysteme der US-Armee, hier muss jemand mit Vorsatz dieses Virus per USB eingerichtet haben. Das US-Verteidigungsministerium geht sogar davon aus, dass an die 100 ausländische Geheimdienste in der Vergangenheit versucht hätten, in die Sicherheitssysteme der US-Armee einzudringen. Wie viele Cyberattacken die US-Armee oder die Geheimdienste ihrerseits gestartet haben, bleibt selbstverständlich unbeantwortet. Die neue Strategie, Cyberattacken als Akt kriegerischer Handlung anzusehen, zeigt auf, welche Qualitäten und welche Bedrohungen inzwischen diese angenommen haben. Was noch vor 20 Jahren als Science-Fiction aufgenommen wurde, ist heute Realität. Man kann dennoch davon ausgehen, dass die Cyberattackierer ihrerseits aufrüsten werden, Cyberwar 2.0 lässt grüßen.

























Kommentare geschlossen.